Die usergetriebene Empfehlungsplattform digg hat vor kurzem seine digg v4 alpha für einen beschränkten Nutzerkreis online geschaltet. Das neue digg (new.digg.com) unterscheidet sich von der alten Version v3 hauptsächlich durch eine Nutzer-zentrierte Sicht auf diggs mit einem Schuss “social” und versucht so, verloren gegangenen Boden wieder gut zu machen.
Hintergünde zu digg
digg ist mit 40 Millionen US$ finanziert und hat zurzeit 8 Millionen Unique Visitors pro Monat. Für Näheres siehe den CrunchBase-Eintrag zu digg.
digg ist deswegen ein interessanter Dienst, da es eines der ersten Startups war, welches nach dem Dot Com Crash wieder mit einer Menge Wagniskapital versorgt wurde. Kevin Rose, diggs Gründer, war auf den Titelbildern diverser amerikanischer Magazin.
diggs Konzept – Was macht es interessant
Nutzer diggs können verlinkte Artikel “diggen”, wobei durch die Anzahl der diggs das Ranking und damit die Sichtbarkeit steigt. Für die verlinkten Sites bedeutet das u.a. den “digg-Effekt“, benannt nach dem “Slashdot-Effekt“, der besagt, dass wegen der Berichterstattung sehr viele User gleichzeitig auf die betreffenden Seiten zugreifen und den Server lahm legen. Zur Veranschaulichung der Funktionsweise stellt Digg eine Tour der Plattform bereit.
Nach ein paar Tagen der Nutzung dieser closed alpha beschreibe ich hier mal meine Eindrücke zur neuen Version.
My News: Nutzer-zentrierte Sicht auf diggs
My News ist die offensichtlichste Neuerung von digg. Hier werden alle News gezeigt, die Freunde auf digg interessant gefunden und geduggt, kommentiert oder eingereicht haben. Hier ein Vergleich der drei Ansichten alte Top News, neue Top News und My News:
Der “My News Feed” unterscheidet sich im Aufbau nicht vom normalen “Top News Feed”, außer das es im “My News Feed” keine Kategorien wie Business, Entertainment, etc. gibt, nach denen gefiltert werden könnte.

digg v4 alpha: Schaubild neuer Funktionen
Followings
Das soziale (Freunde-)Netz bei digg kann durch Verbindungen zu Twitter, Facebook und dem Google-Adressbuch erweitert werden. Sollten Freunde schon beim neuen digg sein, kann man ihnen folgen. Deren geduggte Artikel werden in einem separatem Stream angezeigt. Auf der alten Site war nur die Verknüpfung über E-Mail-Adressen aus diversen Online-Adressbüchern bei E-Mail-Providern möglich. Jetzt kann das soziale Netzwerk von Twitter und Facebook quasi “übernommen” werden.

Connections zu Facebook, Twitter und Google Mail
Einfacheres Einreichen von Artikeln
Mit der digg v4 alpha ist es jetzt möglich, mit deutlich weniger Mausklicks neue Artikel auf digg einzustellen, die dann von anderen gediggt werden können. Die neue Submit-Box im oberen Bereich der Seite vereinfacht es ungemein Artikel einzureichen. Link einfügen, zwei Maus-Klicks und der Artikel kann gediggt werden.
Zusätzlich ist es möglich, eigene RSS-Feeds einzubinden, die automatisch zu Artikeln auf digg werden. So kann man automatisch seinen eigenen Content syndizieren und z.B. sein eigenes Blog auf digg zum diggen bereit stellen. Eigentlich alle großen Nachrichtenunternehmen, hauptsächlich aus den USA, sind schon auf digg v4 alpha vertreten und haben aktiv weitreichende Profile angelegt:
- The New York Times
- The Wall Street Journal
- Time
- etc. pp.
Eine vollständige Liste mit ihren Followings und deren Bewertung findet sich bei Adam Sherks “News Sites on the New Digg: Who is Active, Who is Gaining Followers?“.
Ob dieses automatisierte Posten von Artikeln dazu führt, dass die Site mit für die Nutzer weniger interessanten Artikel überschwemmt wird, wird die Zukunft zeigen. Schließlich bestimmen die Nutzer auch durch das Submitten von Links, was für die Nutzer interessant ist und nehmen aktiv am Gestaltungsprozess teil. Für andere Sites wird digg durch diesen Automatismus zu einer Möglichkeit, ihre Reichweite zu erhöhen, was hier zu Lasten der digg-Nutzer gehen würde.
Zusätzliche Einnahmequellen
Mit der v4 von digg werden Sponsored diggs Einzug halten. Das sind in den normalen News-Feed eingebettete diggs, die sich optisch nicht besonders von normalen diggs unterscheiden. Nur im unteren Bereich existiert ein Hinweis auf den Sponsor, der erst nach dem Lesen auffällt.

digg v4 alpha: Sponsored digg im News Feed
Auf 20 Links kamen zwei sponsored diggs, die regelmäßig an Position drei und 12 oder 13 erscheinen. Sponsored diggs tauchen sowohl im “Top News Feed” als auch im persönlichen “My News Feed” auf.
Moderner und richtige Richtung, aber…
…nichts Neues, was es nicht irgendwo schon gab. Aber wichtige Neuerungen für digg, welche die Plattform besser und interessanter machen. Das ist mein Fazit.
Die alpha ist noch nicht Feature-complete. Es fehlen Funktionen, welche die alte v3 schon hat. Speziell bei den einzelnen diggs. Aber die für digg wichtigsten Features zur Steigerung des User-Engagements sind schon weit fortgeschritten.
Ob digg als Plattform deswegen neue Nutzer anziehen wird, wird sich zeigen. Aber mal abgesehen vom Neuanmeldungs-Spike durch die Berichterstattung, die wegen des Relaunches stattfinden wird, glaube ich nicht, dass das Konzept von digg grundlegend interessanter geworden ist und die Nutzerschaft diversifizieren könnte, was dringend nötig ist. Nur mit jungen, männlichen Geeks im Alter von 15-30 Jahren als Nutzer werden die Investoren nicht zufrieden sein.
Fünf Invites für digg v4 alpha zu vergeben
Wenn jetzt jemand das neue digg selbst testen möchte: Ich habe noch fünf Invites für die closed alpha zu vergeben. Einfach diesen Artikel kommentieren. Die ersten fünf Kommentare, die eine Einladung haben wollen, bekommen sie an die in den Kommentarfeldern angegebene E-Mail-Adresse geschickt.
2 Kommentare
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Hey Michael,
wie auf Facebook schon erwähnt: Das klingt doch einigermaßen spannend, nachdem ich Digg eigentlich schon abgeschrieben hatte. Glaube zwar nicht, dass sich dieses Konzept langfristig weiter halten kann, würde es mir aber doch gerne ansehen und hätte deswegen gerne eine Einladung, falls Du noch eine über hast (möglichst an die angegebene Mailadresse).
Einladung ist raus.
Ich finde digg ja nicht unwertvoll, nur sind mir die Inhalte meistens zu juvenil.