BlackBerry hat den Dienst BlackBerry Protect angekündigt, der Sicherheitsmerkmale wie das Auffinden oder entferntes Löschen des Telefons ermöglichen. Die Beta startet demnächst, die Release-Version soll im November fertig sein. Der Zugang zur Beta wird über Einladungen gesteuert.
Was andere Publikationen wie das Handelsblatt als Angriff auf die Cloud-Infrastruktur von Apple (MobileMe) sehen, sind eigentlich nur erweiterte Sicherheitsfunktionen, die Blackberry ihren Kunden zur Verfügung stellt. Apple bietet zusätzlich noch E-Mail, Kontakte, Kalender, Foto-Galerien, Web-Festplatte, Backup und Synchronisation des ganzen über mehrere Rechner an.
BlackBerrys zerfallende Zielgruppe
Eine gezielte Festlegung auf eine Zielgruppe wie Business und Enterprise ist erstmal nicht schlecht. Geräte, Software und Dienste werden auf einige wenige Anforderungen hin optimiert. Dumm ist nur, wenn viele Nutzer dieser Gruppen mittlerweile das iPhone viel interessanter finden und BlackBerry-Handies einfach links liegen lassen. Oder vom iPhone so angefixt worden sind, dass sie zumindest ein Android-Handy als Alternative sehen.
BlackBerry hatte seine Nische gefunden, da sie ein bestehendes Problem ihrer Zielgruppe erfolgreich lösen konnten: E-Mail
Zu Zeiten von Telefonen, deren E-Mail-Funktionalität hauptsächlich mit Symbian-Betriebssystem (Nokia, Sony Ericsson) und wenigen Windows Mobile-Systemen umgesetzt wurde, machte E-Mail auf dem Handy nicht wirklich Spaß, zumal die Datentarife unglaublich teuer waren. Und es gab keine Push-Benachrichtigungen. Blackberry löste das Problem einigermaßen elegant, indem sie einfach eine eigene Server-Infrastruktur mit Anschluss an Microsoft Exchange etablierten. E-Mail funktionierte gut auf Blackberry-Handies.
E-Mail ist kein Thema mehr
Das ist jetzt alles Schnee von gestern. Oder eher vorletztem Jahr. Apple hat mit dem iPhone indirekt auch bezahlbare Internet-Tarife etabliert. Push-E-Mail funktioniert mit iPhones und Android-Handies genauso gut. Und genau deswegen ist E-Mail eben kein Thema mehr. Die App-Economy und Einbindung von weiteren Web-Diensten ist jetzt ein Thema. Und dazu kann BlackBerry nichts beitragen.
Veraltetes BlackBerry OS
Das BlackBerry OS ist genauso veraltet wie Symbian oder Windows Mobile. Es gibt zwar Vorschauen auf das BlackBerry OS 6, welches allerdings in weiter Ferne ist:
BlackBerry versucht in diesem Video, den Bereich Entertainment in den Vordergrund zu rücken. Eigentlich nicht schlecht gemacht. Nur – es passt nicht zum Image BlackBerrys. Tanzende Anzug- und Krawattenträger wirken eben eher – komisch. Geschäftskunden spricht es eher nicht an, und alle anderen haben mit den Massen an Android-Handies Geräte mit höchstwahrscheinlich besserem Preis-/Leistungsverhältnis. Und wer auf cool steht, für den führt sowieso kein Weg am iPhone vorbei.
Letztendlich können diese Videos nicht das “Feel” des “Look & Feels” einer Oberfläche herüber bringen. Und das ist die viel wichtigere Komponente, wenn es um die Zufriedenheit mit einem technischen Gerät geht. Leider wird diese immer noch von der Presse, insbesondere der technischen, viel zu sehr vernachlässigt. Was man nebenbei bemerkt auch sehr gut an den unzulänglichen Wikipedia-Artikeln zu diesem Thema erkennen kann. Nur ein Ausprobieren über mehrere Tage kann diese Frage beantworten. Für viele potentielle Nutzer leider ein Luxus, den sie nicht haben. Und schon gar nicht, wenn zentral eine Entscheidung oder über den Einkauf solcher Geräte verfügt wird.
Die Zukunft BlackBerrys
Ich bezweifle den Erfolg, den BlackBerry mit dem Fokus auf Entertainment versucht zu erzielen. Die historische Zielgruppe Business könnte davon eher abgestoßen werden und sich dann den überaus erfolgreichen Cloud-Diensten von Google zuwenden, die auf Android-Handies sehr gut funktionieren und sich natürlich anfühlen und gut integriert sind (wen wundert’s). Zumindest ist es aber ein Schritt in die richtige Richtung und könnte manchen Business-User bei der Stange halten.
Es ist unbestritten absolut sinnvoll, sich den modernen Web-Diensten anzunähern und Handy-Betriebssysteme entsprechend aufzuwerten und zu modernisieren. Nur ist die potentielle Zielgruppe BlackBerrys eben eher Business und nicht Lifestyle. Bis jetzt haben sie nur bewiesen, dass sie ein Händchen für diese Gruppe haben. Sie haben überaus erfolgreich BlackBerry als Business-Marke aufgebaut. Lifestyle ist Apple Terrain. Und in der Mitte sitzt Android, welches durch die schiere Masse an Handy-Herstellern einen immensen Vorteil genießt. Apple bekommt dies so langsam deutlich zu spüren.
Ob BlackBerry das Potential hat, sich neu zu erfinden, wird sich zeigen. Und ob der Markt einen lukrativen Platz für die sich dann neu erfundenen BlackBerrys bietet, wird sich zeigen, denn der normale Nutzer wird mit BlackBerry eine lange Zeit nur Business verbinden und die Handies daher von vornherein beim Shopping ausschließen. Ich bin gespannt.