Auch wenn die Überschrift ein wenig übertrieben klingt, fühlt es sich dennoch so an. Die Multitasking-Fähigkeit des iOS 4, welches heute veröffentlicht wird, ist zwar deutlich moderner und bietet präemptives Multitasking. Aber irgendwie erinnert die Benutzung stark an den MultiFinder.
Der MultiFinder
Der MultiFinder war ein Betriebssystem-Zusatz, der im 1987 veröffentlicht und mit der Veröffentlichung von System 6 1988 offiziell zum Macintosh-Betriebssystem gehörte. Unterstützt wurde er ab System 5. Er bot nur kooperatives Multitasking. Das bedeutet, dass die Anwendungen freiwillig Rechenzeit an andere Anwendungen abtreten. Was sie aber nicht immer taten und nach einem Absturz der App auch gar nicht mehr konnten.

Der MultiFinder als Boot-Option
Nach Öffnen des kleinen Menüs oben rechts in der Menüzeile des Macintosh konnte man aus den laufenden Anwendungen diejenige auswählen, die man benutzen wollte. Mit iOS 4 ist es ein Doppelklick auf den Home-Button, damit die gerade laufenden Apps angezeigt werden. Ein Tippen und die ausgewählte Anwendung wird gestartet. App-Switching eben. Eigentlich gut gelöst, aber trotzdem wurde diese alte Erinnerung wieder wach.
Nicht, dass ich im Jugendalter als Benutzer einer der ersten ausgelieferten Macintosh 128k in Deutschland nicht gerne an diese Zeiten zurück denke. Ach, was vermisse ich doch manchmal das sonore Klicken der ursprünglichen Macintosh-Maus mit dem ewig langen Klickweg…
Der App-Switcher in iOS 4
Ein Doppelklick und es geht los. Nach längerer Benutzung des iPhones häufen sich die Anwendungen, die im MultiFinder App-Switcher des iOS 4 enthalten sind. Schnell fange ich an zu “swipen”, suche meine Anwendung, zu der ich wechseln. Es dauert. Das Verlangen nach Beendigung so mancher selten genutzter Anwendung kommt auf, bis ich endlich meine App finde, die ich nutzen möchte.
Indirekt hat Apple also die erste “App” für das iPhone geschaffen, bei der ich wie bei einem normalen Computer das Gefühl bekommen, mein “System” warten zu müssen und App schließen will. Was, ganz nebenbei bemerkt, in etwa so funktioniert, wie man auch normale Apps auf dem iPhone löscht: länger auf eine App drücken, den Minus-Button tippen und die App ist beendet.
Normalerweise würde es nicht lange dauern, bis ein Haufen an “Optimierungstools” auf den Markt kommen, die versprechen, das iOS zu optimieren und solche Wartungsarbeiten in Intervallen automatisch auszuführen etc. pp. Apples Entwicklungsrichtlinien verbieten es allerdings, ins System einzugreifen oder andere Anwendungen zu manipulieren. Glück gehabt, denn ich möchte nicht noch mehr zeitfressende Technik in meinen Leben haben und mich lieber mit wichtigeren Dingen beschäftigen.
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