Apples WWDC 2010 und der iPhone/iPad Gold Rush

Apples WWDC 2010 und der iPhone/iPad Gold Rush

6. Juni 2010 |  von  |  Apple

Morgen startet Apples World Wide Developers Conference, die WWDC, in San Francisco. Wie jedes Jahr Anfang Juni werden im Moscone West (Ecke 4th und Howard, SOMA) Ausblicke auf die von Apple zukünftig verkaufte Software und eingesetzte Technologien gegeben. Seit ein paar Jahren nutzt Apple diese Entwickler-Veranstaltung auch zur Vorstellung neuer Produkte.

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Aus eigener Erfahrung – ich war 2006 auf der WWDC – kann ich sagen, dass die WWDC immer eine Reise Wert ist, da historisch gesehen eher kreative Entwickler von Apple angezogen werden. Und San Francisco ist natürlich immer eine Reise Wert. Die Aufbruchstimmung ist enorm, wie mir auch von anderen Teilnehmern berichtet worden ist, die die letzten Jahre häufiger dort waren.

Apples Produktveröffentlichungs-Zyklus

Apple und speziell Steve Jobs lieben es, fertige Produkte zu demonstrieren, die am gleichen Tag oder etwas später im Laden zu erstehen sind. “Hands-On” heißt die Devise. Keine reinen Ankündigungen von Produkten, die noch gar nicht existieren und erst Monate oder Jahre später – wenn überhaupt – auf den Markt kommen werden. Jobs ist ein begnadeter Verkäufer, der weiß, dass die initiale Kaufeuphorie schnell befriedigt werden muss. Und das geht nur mit fertigen und verkaufsfähigen Produkten.

Da diese Demos nur vor einem großen Publikum vor Ort möglich waren, damit die Käufer sich direkt ein Bild machen konnten, gab es immer nur ausgewählte Veranstaltungen, auf denen Änderungen in der Produktpalette vorgestellt worden sind. Es war meistens recht einfach vorherzusagen, wann neue Apple-Produkte veröffentlicht werden. Die Verkaufszahlen gingen kurz vor solchen Events meist stark nach unten, da jeder auf neue Produkte und/oder massive Preissenkungen wartete. Zu recht. Heute hat jeder potentielle Käufer breitbandige Internetverbindungen für Video-Streams zu Hause, die es Apple ermöglichen, auch unabhängig von diesen Events Neues zu präsentieren.

Die neuen zu erwartenden Produkte wurden heute wie damals anhand der durchschnittlichen Tage einer Produktversion bestimmt. Dafür gibt es entsprechende Seiten mit Apple Buying Guides, die diese Infos bereit halten und teilweise vom Kauf entsprechender Produkte abraten, da mit hoher Wahrscheinlichkeit neue Revisionen ins Haus stehen.

WWDC 2006 Developers Check-In

Schlangen am Check-In Counter der WWDC2006

Developer Previews für Mac OS X und iPhone OS

Es war usus, dass die Teilnehmer entweder eine physikalische DVD mit einer Developer Preview auf die neuen Betriebssystemversionen, die sich im Alpha- oder Beta-Status befinden können, auf der WWDC ausgehändigt bekommen. Neuerdings sind es eher Download-Assets, mit denen sich registrierte Entwickler – und nur solche können sich für die WWDC anmelden – in der ADC (Apple Developer Connection) oder im iPhone Developer Center zu Testzwecken herunter laden können.

Diese wurden, so sie denn in einem frühem Stadium waren, mehrere Monate nicht aktualisiert. Wer also nicht zu den Teilnehmern der WWDC gehörte, konnte seine Produkte noch nicht mit den neuen Betriebssystemen und Technologien testen.

Gold Rush – das iPhone als Game Changer

Durch das iPhone und das iPad sind wesentlich mehr Entwickler an der WWDC interessiert, sodass dieses Jahr der Fokus hauptsächlich auf dem App Universe liegen wird. Und trotz der kurzfristigen Ankündigung und fehlender Early Bird Tarife war die** WWDC 2010 innerhalb von acht Tagen ausverkauft**, und das bei Preisen von 1.200 Euro pro Ticket. Sonst hatte es Wochen bis Monate gedauert, bis alle Karten weg waren. Anscheinend schicken auch wieder größere Firmen Ihre Mitarbeiter nach San Francisco.

WWDC 2006 Schlange stehen

In der Keynote-Schlange der WWDC 2006 stehen

Manche Mac OS X Entwickler sind ein wenig verschnupft über diese Entwicklung, befürchten sie doch ein Vernachlässigung der Mac-Plattform. Apple hat dies jedoch deutlich dementiert. Trotzdem weerden die Apple Design Awards, die jedes Jahr auf der WWDC verliehen werden, diesmal nur an iPhone und iPad-Anwendungen vergeben. Das waren quasi die Oscars der Mac-Welt, mit denen die entsprechend ausgezeichneten meistens einen deutliche Belebung ihrer Umsätze verzeichnen konnten, zumal Apple die Apps auch auf den eigenen Seiten promotet hatte.

Aber bei entsprechender Konkurrenz anderer Smartphone-Anbieter, die versuchen, Apple Vorsprung endlich aufzuholen, ist es klar, dass Apple das Eisen schmiedet, solange es heiß ist. Bahnbrechende Konzepte werden zudem zurzeit eben mehr auf dem iPhone als auf dem Mac umgesetzt. Mobile ist die Zukunft. Von mir geschätzte 200.000 Apps und 5.000.000.000 Downloads sprechen ein deutliches Urteil.

Ausblick

Genauere Zahlen wird Steve Jobs präsentieren, der es sich nicht nehmen lässt, am Montag, den 07.06., die Keynote um 10:00 Ortszeit (19:00 Deutscher Zeit) zu halten. Für mich ein schönes Geburtstagsgeschenk, denn das iPhone OS 4.0 verspricht sehr interessant zu werden.

Und was das iPhone 4G noch für Überraschungen bereit halten wird, wird sich wohl auch auf der WWDC aufklären. Wegen ausgesprochener Urlaubsverbote für AT&T-Mitarbeiter in den USA und T-Mobile-Mitarbeiter in Deutschland wird die letzte Juni-Woche als möglicher iPhone 4G Release-Termin kolportiert. Es gibt zwar Unmengen von Fotos der möglichen neuen iPhone-Generation, aber Apple hat immer mehrere funktionierende Prototypen zur Auswahl, bevor sie sich letztendlich für ein Gerät entscheiden.

mobile.me

Das von vielen als teuer empfundene mobile.me

Besonders interessant finde ich die Gerüchte, das mobile.me endlich gratis werden soll. Durch die enge Integration von mobile.me in Mac OS X und dem iPhone bzw. iPad ist diese Kombination für den Otto-Normal-Verbraucher sehr interessant. Der aktuelle Preis von € 79 pro Jahr (Familienlizenz für € 119) schreckt viele ab, obwohl es einer der einfachsten Möglichkeiten ist, seine Inhalte wie Bilder etc. ins Netz zu bekommen. Und das auf eine sehr elegante Art und Weise.

Aber vielleicht entdeckt Apple ja, dass es eine enorme Bereicherung für alle ist und die Nutzungsintensität von Apple-Produkten erhöhen würde. Zumal Freunde und Verwandte schnell ähnlich einfach ihre Mail, Kontakte, Kalender und Bilder online haben wollen. Von der Festplatte im Internet, der Fernsteuerbarkeit von Macs im Supportfall und der Möglichkeit, das verlorene iPhone per Internet zu löschen ganz zu schweigen. Aber morgen sind wir schlauer.

Über den Autor

Michael Nordmeyer, früherer CTO und Mit-Gründer der 13. Stock Online Relations und freiberuflicher Software- und Webentwickler berät und entwickelt Konzepte, Strategien und Lösungen in den Bereichen Social Media, mobilen Apps auf iPhone und iPad und Webanwendungen in Ruby on Rails und Java.


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