Es war die erste TEDx in Hamburg. Nach der TEDxBerlin, auf der ich im November 2009 war, habe ich mich als Hamburger besonders auf die TEDxHamburg in meiner Heimatstadt gefreut.
Eine TEDx ist eine in Eigenverantwortung veranstaltete Konferenz, die der originalen TED nachempfunden und in Lizenz von dieser veranstaltet wird. Das generelle Motto von TED lautet “Ideas worth spreading“. Diese TEDx Hamburg steht unter dem Motto “Rebooting the Future”.
Die Talks
Die Talks waren alle sehr interessant. Nun ja, eigentlich alle bis auf einen. Nur sollten manche Redner sich nicht auf ihre interessanten Inhalte verlassen. Bei manchen bin ich nur aus Höflichkeit geblieben. Dr. Ernst Pöppel war mit großem Abstand der beste Redner. Das Publikum war so begeistert, dass es ihm bzw. der TEDx eine Zugabe abgenötigt hat, die den seitens der TED vorgegebenen Rahmen von max. 18 Minuten für einen Talk gesprengt hat. War aber gar nicht schlimm…
Sämtliche Talks sollen auf der TEDxHamburg-Website demnächst online gestellt werden. Die drei originalen TED-Talks gibt es auf der regulären TED-Site zu sehen. Im folgenden möchte ich nur die für mich besonderen Talks der insgesamt 14 Talks und drei Performances hervor heben:
The Gift of Time – The Present as a Present
Der schon erwähnte Dr. Ernst Pöppel sprach über die bei jedem Menschen im Hirn “verankerten” Zeiteinheiten, in deren Rahmen wir etwas wahrnehmen, denken und agieren. Sehr interessant, aber textuell schlecht wiederzugeben. Quasi ein Goldener Schnitt bezogen auf die Zeit. Einfach mal das Video sehen, wenn es online ist.
Gaming Can Make a Better World
Jane McGonigal, eine Forscherin, die Ihren Doktortitel in Berkeley machte, versucht Kinder durch ambitionierte Online-Spiele zu Architekten der Zukunft zu erziehen. Was sich für Nicht-Spieler vielleicht abstrus anhört, ist es keineswegs. Solche Wirtschaftssimulationen oder Aufbauspiele sind sehr unterhaltsam und gleichzeitig herausfordernd. Damit kann z.B. der Einfluss von fossilen Ressourcen auf Wirtschaft und Wetter spielerisch erlernt werden. Studien zeigen, dass dieses so im Kindes- der Jugendalter erlernte Ressourcen-Bewusstsein ein Leben lang anhalten und das Verhalten nachhaltig prägen wird. Aber seht selbst:
Aimee Mullins and Her 12 Legs
Aimee Mullins ist seit ihrer Kindheit auf Beinprothesen vom Knie abwärts angewiesen und beschreibt ihr und das Verhältnis anderer zu diesen bzw. den Sinnes-Wandel, der sich für sie im Laufe der Zeit vollzog. Durch Erfolge wie Rekorde bei den Paralympischen Spielen von 1996 und als Model(!) sieht sie sich völlig anders, als es normalerweise zu erwarten wäre. Ein paar Zitate:
Pamela Anderson has more prostetics in her body than I do. And nobody calls her disabled.
Disabled people become the architects of their own appearance. And they can change.
Unbedingt das Video sehen:
Hero Rats
Über “Hero Rats” hatte ich vor geraumer Zeit (1-2 Jahre?) schon mal einen Bericht im deutschen Fernsehen gesehen. Trotzdem war es wieder faszinierend, wie mit vorhandenen, aber verpönten Ressourcen (Ratten) Probleme auf so großartige Weise gelöste werden können (Minenbeseitigung und Tuberkolose-Erkennung innerhalb von Millisekunden). Bart Weetjens schilderte mit ansteckender Begeisterung die Erfolge des Vorhabens APOPO.
Die Location
Das Curio-Haus in Hamburg eignet sich wirklich gut für eine solche Veranstaltung. Ein sehr schöner Saal, nicht zu groß und nicht zu klein, mit passender Bühne. Wahrscheinlich würden bis zu 250 Leute hinein passen. Die ideale Größe erscheint mir 200 zu sein. Auch wenn das Catering auf so einem Event nicht im Vordergrund steht, hat es Kofler & Kompanie verstanden, einen sehr angenehmen Eindruck zu hinterlassen.
Mein Fazit
Die TEDxHamburg war eine rundum gelungene TEDx. Sie hat mir inhaltlich deutlich besser gefallen als die TEDxBerlin. Speziell die ausgewählten Videos waren sehr gut. Bei entsprechender Auswahl der Redner steht eine TEDx einer regulären TED in nichts hinterher. Nun bin ich auch nicht mehr so traurig, dass am selben Tag mein iPad 3G vergebens versucht wurde, an mich ausgeliefert zu werden, da ich ja auf der Konferenz weilte. Meine Priorisierung war richtig.
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