Die next conference im Spagat

Die next conference im Spagat

15. Mai 2010 |  von  |  Events

Es gab viele Meinungen zur diesjährigen next. Die meisten, die ich wahrgenommen habe, waren eher negativ. Warum?

Der Spagat

Die next versucht einen Spagat zwischen der eher langweiligen und konservativen Businesswelt und der schnellen und aufregenden “Internet-Avantgarde”. Ein sehr schwieriges Unterfangen. So etwas klappt nur, wenn ganz deutlich im Vorwege die Inhalte der einzelnen Talks entsprechend gekennzeichnet sind. Und sie dieser Kennzeichnung auch wirklich genügen. Dieses Jahr war es nicht so.

Ich habe mir absichtlich etwas Zeit mit meinem Artikel zur next10 gelassen, um mit etwas Abstand das Erlebte angemessen reflektieren zu können. Ja, ich war enttäuscht. Aber ich habe auch nichts anderes erwartet. Eine Konferenz, die für solche unterschiedlichen Teilnehmergruppen ein gemeinsames Programm erstellen will, scheitert mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit.

Die Teilnehmer

Die schwierige Aufgabe des Veranstalters

SinnerSchrader als Veranstalter bzw. das next-Team, welches einen hervorragenden Job bei der Ausrichtung der Konferenz erledigte, braucht die Stärke, auch gegen das persönliche Ego einzelner Sprecher diese in die angemessenen Tracks einzuordnen. Z.B. in einen eigenen Track mit aufregenden Neuerungen und einen mit eher konservativen und für die “Avantgarde” schon “veraltete” Themen. So wird keiner enttäuscht und keiner überfordert.

Ganz wichtig ist ein eigener Track für von Sponsoren gehaltene Vorträge. Diese tendieren nämlich dazu, apothekenpflichtig zu werden, da sie einem starken Schlafmittel gleichen.

Wo waren die Game Changer?

Es gabe welche, sie waren dort. Allerdings verloren sie sich im Fluss der Konferenz. Ein so mächtiges Thema wie “Game Changer” mit hoher Schlagzahl abzuhandeln, kann nicht funktionieren. Es bleibt keine Zeit, diese tief gehenden neuen Konzepte, Ideen und Handlungsweisen zu reflektieren. Oder gar offensiv zu diskutieren. Es blieb immer der Drang, den Talk, die nächste Session, den anderen Track zu besuchen. Ein kurzer “Fireside Chat” nach den Talks wirkte zu förmlich, zu wenig gewollt, zu konform. Einfach zu langweilig.

Irgendwie hat mich die Konferenz nicht mitgerissen, nicht gefordert. Ich bin aus keinem Vortrag mit leuchtenden Augen voller Aufregung gegangen, wie es für das Thema “Game Changer” angemessen gewesen wäre. Nun wird das auch immer schwieriger. Schließlich sind die interessanten Themen schon längst im Internet als Text oder Video online verfügbar. Von der TED-Konferenz gar nicht zu reden. Der Erkenntniswert, den eine Konferenz vermitteln kann, wird immer geringer. Und eine Konferenz mit hohem Business-Anteil kann dies keinesfalls erreichen.

Wie geht es weiter?

Meiner Meinung nach hat die next eine schwere Entscheidung vor sich: Was bin ich? Was will ich sein? Wer soll mich mögen? Weniger Business und mehr Kreativität, Rebellion, Vision? Oder lieber den Fokus auf’s Business mit der Einreihung ins langweilige Glied der anderen deutschen Konferenzen?

Wo ich dem next-Team ein großes Kompliment machen möchte, ist auf jeden Fall die Auswahl des Konferenzleitthemas. Die letzten drei Jahre, bei denen ich auf der next war, hatte Martin Recke immer die brandaktuelle Strömung in Worte gefasst und zum Leitthema erkoren. Die Richtung ist bekannt, an der Umsetzung hapert es. Zu viele Kompromisse. Bis jetzt war die next09 mit großem Abstand die beste Veranstaltung. Sprecher mit neuen Ideen und Leidenschaft halten immer bessere Vorträge als Menschen mit großem Marktanteil ihrer Firmen.

Ich bin gespannt auf die nächste next.

Über den Autor

Michael Nordmeyer, früherer CTO und Mit-Gründer der 13. Stock Online Relations und freiberuflicher Software- und Webentwickler berät und entwickelt Konzepte, Strategien und Lösungen in den Bereichen Social Media, mobilen Apps auf iPhone und iPad und Webanwendungen in Ruby on Rails und Java.


Hinterlassen Sie einen Kommentar

Neueste Artikel
Geschwindigkeit MacBook Air 2011 mit USB-Ethernet

Geschwindigkeit MacBook Air 2011 mit USB-Ethernet

25.12.2011  |  Keine Kommentare

Das MacBook Air ist auf das Wesentliche reduziert, um klein, ultra-mobil und sexy zu sein. Der USB-Ethernet-Adapter (30 € extra) ist die von Apple angebotene Alternative, sollte man sein MacBook Air nicht per WLAN, sondern per Kabel mit dem Netzwerk oder Internet verbinden wollen. Nur die Geschwindigkeit lässt zu wünschen übrig. » Weiterlesen…

Unterschied MacBook Air mit Thunderbolt und MacBook Pro 2011

Unterschied MacBook Air mit Thunderbolt und MacBook Pro 2011

22.12.2011  |  Keine Kommentare

Warum, wenn man keine CDs oder DVDs mehr benutzt, sollte man sich noch ein MacBook Pro kaufen, wenn das MacBook Air mit Thunderbolt und Core i5 Prozessoren doch ausreichend Leistung bietet und sehr sexy ist? Ein paar interessante Dinge fehlen doch, wobei ich mich hier auf die weniger offensichtlichen beschränke und offensichtliche wie dedizierte Grafikkarte oder Bluetooth 4.0 einfach mal auslasse. » Weiterlesen…

“Barfuß und in Lederhosen” – TEDxHamburg 2011

24.05.2011  |  Keine Kommentare

Die TEDx Hamburg 2011 war die beste TEDx aus den vieren in Berlin und Hamburg, die ich besucht habe. Spannende Talks und ein paar Short Talks, die alles etwas aufgelockert haben. » Weiterlesen…

Musik, Buzz, Promotion und anonyme Pakete

Musik, Buzz, Promotion und anonyme Pakete

19.03.2011  |  2 Kommentare

Ein rätselhafter Titel. Und ein rätselhaftes Paket. Das habe ich nämlich anonym bekommen. Mit Kram drin. So 'ne Postkarte, ein Kartenausschnitt von Berlin Schöneberg, ein unbeschrifteter, gebrannter CD-Rohling und 'ne Bierflasche gefüllt mit Getreidesamen und einer Stimmgabel. Aha… » Weiterlesen…